{"id":817,"date":"2026-02-23T14:03:39","date_gmt":"2026-02-23T14:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/bi-hoher-berg.de\/?p=817"},"modified":"2026-02-23T14:03:39","modified_gmt":"2026-02-23T14:03:39","slug":"bericht-vom-journalist-hubertus-hartmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-hoher-berg.de\/?p=817","title":{"rendered":"Bericht vom Journalist Hubertus Hartmann"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"cc-m-header-10600919268\"><strong>Orgelstadt wird zur Windspargelstadt mit Tiefflug-Area<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p>Neue Anlagen sind mehr als sechsmal so hoch wie der Borgentreicher Kirchturm<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von Hubertus Hartmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"javascript:;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.jimcdn.com\/cdn-cgi\/image\/width=439%2Cheight=1024%2Cfit=contain%2Cformat=jpg%2C\/app\/cms\/storage\/image\/path\/s229cbc496f5221ed\/image\/i8c91b5d1d05b572f\/version\/1771081696\/image.jpg\" alt=\"Windanlagenbau bei Dinkelburg. Foto: Noah Gievers\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Windanlagenbau bei Dinkelburg. Foto: Noah Gievers<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Borgentreich. Kaum ein Thema wird in Borgentreich derart kontrovers diskutiert wie der Windkraftausbau. Der freie Blick vom Galgenberg oder Hohen Berg zum Desenberg ist Geschichte. Nahezu im gesamten Stadtgebiet entstehen derzeit neue Anlagen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allein auf dem Gebiet der Kernstadt befinden sich aktuell 14 im Bau, \u00fcberwiegend rund um die Dinkelburg. Zw\u00f6lf weitere sind genehmigt, f\u00fcr sechs zus\u00e4tzliche l\u00e4uft das Genehmigungsverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst vergangenen Jahres haben die Erdbewegungen begonnen, kilometerlange Schotterpisten f\u00fcr Baumaschinen und Sattelschlepper ziehen sich durch die Landschaft, martialische Fundamente f\u00fcr die neuen Energiet\u00fcrme sprie\u00dfen aus dem B\u00f6rdeboden. Auf ihnen werden die bis zu 175 Meter hohen Stahlt\u00fcrme verankert. Mit ihren Rotorbl\u00e4ttern erreichen die Anlagen eine Gesamth\u00f6he von 260 Metern und sind damit mehr als sechsmal so hoch wie der 42-Meter-Turm der St. Johannes Baptist-Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anlagen habe eine Leistung von 6 bis 7,2 Megawatt. Jeder dieser Stromerzeugungsgiganten kann theoretisch rund 4.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein einziges Windrad dieser Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnte also die komplette Orgelstadt mit Energie beliefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass aufgrund der hohen Ausbaudynamik die Strompreise f\u00fcr die Borgentreicher B\u00fcrger zuk\u00fcnftig g\u00fcnstiger werden, scheint allerdings unwahrscheinlich. Denn die Kosten f\u00fcr den erforderlichen Netzausbau werden auf die Verbraucher umgelegt. Trotz der Netzentgelt-Reform 2025\/26 liegen die \u201eKabelkosten\u201c in NRW \u00fcber dem Bundesdurchschnitt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"javascript:;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.jimcdn.com\/cdn-cgi\/image\/width=420%2Cheight=1024%2Cfit=contain%2Cformat=png%2C\/app\/cms\/storage\/image\/path\/s229cbc496f5221ed\/image\/i63c84a37a797b2a1\/version\/1770999196\/image.png\" alt=\"Die aktuell verf\u00fcgbaren Geodaten des Kreises H\u00f6xter zum Windkraftausbau zeigen dieses Bild. Orange = im Genehmigungsverfahren, Gelb = genehmigt; Blau = im Bau, Gr\u00fcn = in Betrieb. Dazu kommen die Anlagen der Nachbarkreise entlang der Kreisgrenzen.\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die aktuell verf\u00fcgbaren Geodaten des Kreises H\u00f6xter zum Windkraftausbau zeigen dieses Bild. Orange = im Genehmigungsverfahren, Gelb = genehmigt; Blau = im Bau, Gr\u00fcn = in Betrieb. Dazu kommen die Anlagen der Nachbarkreise entlang der Kreisgrenzen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Profiteure<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hauptprofiteure der Energiewende sind die Anlagenbetreiber und privilegierte Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer, auf deren Fl\u00e4chen die Windr\u00e4der gebaut werden. Pachtpreise von 50.000 Euro und mehr pro Jahr und Windrad werden \u2013 abh\u00e4ngig von Standort und Leistung \u2013 angeblich in Borgentreich gezahlt. Im benachbarten Willebadessen sind es seri\u00f6sen Quellen zufolge sogar beim&nbsp;sogenannten Drei-Fl\u00e4chen-Modell&nbsp;150.000 Euro. Die Pacht f\u00fcr Windkraft ist rund 30-mal h\u00f6her als f\u00fcr gutes Ackerland. Die Pachtvertr\u00e4ge laufen in der Regel \u00fcber 25 bis 30 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Profitieren werden von den Windkrafterl\u00f6sen auch die Stadt Borgentreich sowie die Vereine \u00fcber eine neue Stiftung. Um die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung zu erh\u00f6hen, will die B\u00fcrgerwindpark Borgentreich&nbsp;GmbH und Co. KG als gr\u00f6\u00dfter Windparkbetreiber in Borgentreich j\u00e4hrlich ein Prozent des Umsatzes \u2013 rund 200.000 Euro \u2013 f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Geodatenportal des Kreises H\u00f6xter weist f\u00fcr die Orgelstadt aktuell diese Zahlen aus:<\/p>\n\n\n\n<p>19 Windkraftanlagen in Betrieb<\/p>\n\n\n\n<p>14 befinden sich im Bau<\/p>\n\n\n\n<p>22 sind genehmigt<\/p>\n\n\n\n<p>19 befinden sich im Genehmigungsverfahren<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Blick auf die Karte der im gesamten Kreis H\u00f6xter geplanten Windkraftanlagen werden die Augen noch gr\u00f6\u00dfer, denn dort sieht man \u2013 in Anlehnung an eine bekannte Redewendung \u2013 vor lauter Propellert\u00fcrmen die Landschaft nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>129 neue Windr\u00e4der wurden in der Region zwischen Weser, Emmer, Diemel und Egge im Jahr 2025 genehmigt. Das ist einsamer Landesrekord und zeugt von Goldgr\u00e4berstimmung. In Betrieb sind zur Jahreswende etwa 180 Anlagen. Schon bald k\u00f6nnten sich im selbsternannten Kulturland mehr als 600 Windr\u00e4der drehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob allerdings tats\u00e4chlich alle genehmigten Projekte umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Sinkende Einspeiseverg\u00fctungen&nbsp;schmelzen&nbsp;die&nbsp;Erl\u00f6se, die oft 20 Kilometer langen Kabeltrassen bis zum n\u00e4chsten Netzverkn\u00fcpfungspunkt sind zus\u00e4tzliche Kostentreiber, die Banken werden bei der Finanzierung vorsichtiger, und die Bundesregierung plant weitere Ma\u00dfnahmen zur Kostenreduzierung bei den erneuerbaren Energien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"javascript:;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.jimcdn.com\/cdn-cgi\/image\/width=432%2Cheight=1024%2Cfit=contain%2Cformat=jpg%2C\/app\/cms\/storage\/image\/path\/s229cbc496f5221ed\/image\/i9493c5b58cec6b72\/version\/1770902642\/image.jpg\" alt=\"Trotz der vielen neuen Windr\u00e4der hat die Luftwaffe ihr altes Tieffluggebiet (rosa umrandet) LFA3 wieder aktiviert. Der Kreis H\u00f6xter liegt mittendrin.  Foto: Luftwaffe\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Trotz der vielen neuen Windr\u00e4der hat die Luftwaffe ihr altes Tieffluggebiet (rosa umrandet) LFA3 wieder aktiviert. Der Kreis H\u00f6xter liegt mittendrin. Foto: Luftwaffe<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tiefflug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist da noch das Thema Tiefflug. Aufgrund der ver\u00e4nderten sicherheitspolitischen Lage, hat die Bundeswehr im November 2025 alte Tiefflugzonen \u00fcber Deutschland reaktiviert, um Kampfjetpiloten ein realistisches Training zu erm\u00f6glichen. Dazu z\u00e4hlt auch die Low Flying Area (LFA) zwischen Siegen, Hildesheim, Paderborn und Kassel. Mitten in der LFA3 liegt der Kreis H\u00f6xter mit demn\u00e4chst \u2013 nach derzeitigen Planungen \u2013 mehr als 600 Windr\u00e4dern.<\/p>\n\n\n\n<p>In ausgewiesenen milit\u00e4rischen Tieffluggebieten \u00fcber Deutschland d\u00fcrfen Kampfjets der Bundeswehr f\u00fcr taktische Man\u00f6ver bis auf&nbsp;250 Fu\u00df (ca. 75 Meter)&nbsp;\u00fcber Grund absinken.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u00dcber St\u00e4dten mit mehr als 100.000 Einwohnern, Kernkraftwerken und bestimmten Industrieanlagen gelten Mindestflugh\u00f6hen von mindestens 2.000 Fu\u00df bzw. ca. 610 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist mit den 260 Meter hohen Windkraftanlagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Wind-Investoren aus Borgholz haben mit der Bundeswehr bereits in den 1990er Jahren eine spezielle Erfahrung gemacht. 1995 errichten sie bei Natingen f\u00fcr 3,8 Millionen D-Mark die beiden ersten Windkraftanlagen im Kreis H\u00f6xter. Vier Jahre sp\u00e4ter m\u00fcssen sie die Anlagen mit einem Kostenaufwand von rund 700.000 D-Mark wieder abrei\u00dfen, weil die damals &#8222;nur&#8220; 60 Meter hohen Masten das Luftwaffenradar im 1,7 Kilometer entfernten&nbsp;Auenhausen st\u00f6ren. Die Betreibergesellschaft geht pleite.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es detaillierte Infos:<\/p>\n\n\n\n<p>Windkraft in Lippe \/&nbsp;<em>Der Pivit<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"javascript:;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.jimcdn.com\/cdn-cgi\/image\/width=1062%2Cheight=10000%2Cfit=contain%2Cformat=png%2C\/app\/cms\/storage\/image\/path\/s229cbc496f5221ed\/image\/i36d41012808b5a0d\/version\/1771083971\/image.png\" alt=\"Quelle: Goal100 Monitor Windenergie                              https:\/\/goal100.org\/monitor\/nordrhein-westfalen\/hoexter\/borgentreich\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Goal100 Monitor Windenergie https:\/\/goal100.org\/monitor\/nordrhein-westfalen\/hoexter\/borgentreich<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Meine Meinung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kernkraft hat sich als kaum kalkulierbares Risiko erwiesen. Die Mehrzahl der Deutschen will deshalb die Energiewende. Photovoltaik- und Windkraftanlagen gelten nach derzeitigem Stand der Technik als die effizientesten Methoden zur Stromerzeugung. Gemessen an der Einwohnerzahl belegt der Kreis H\u00f6xter mit dem Solarchampion Borgentreich bundesweit eine Spitzenposition. Er ist einer der Vorreiter der Energiewende. Schon 2023 wurde im Kreis H\u00f6xter mit 108,9 Prozent aus erneuerbaren Energien rechnerisch mehr Strom erzeugt, als alle heimischen Haushalte und Firmen zusammen verbrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt geht es erst richtig los.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Windkraftausbau erreicht eine nie zuvor gekannte Dynamik. In nahezu allen St\u00e4dten des Kreises schie\u00dfen die gewaltigen Rotort\u00fcrme aus dem Boden. Profiteure sind die Investoren, Betreiber und Grundeigent\u00fcmer. Die Zahl der wirklichen Windkraftgegner h\u00e4lt sich (noch) in Grenzen. Allerdings sch\u00fctteln viele B\u00fcrger angesichts der Vielzahl an Windgiganten inzwischen fassungslos den Kopf. Denn zur Versch\u00f6nerung der intakten Naturlandschaft im Kulturkreis tragen die Windkraftanlagen ganz sicher nicht bei. Der ohnehin strukturschwache l\u00e4ndliche Raum sichert die Energieversorgung der Ballungsgebiete und zahlt daf\u00fcr mit einer Verschandelung seiner Landschaft und aufgrund der hohen Netzausbaukosten teilweise sogar h\u00f6heren Strompreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgaben der Betreiber an die Kommunen und Spenden in Stiftungen wirken da eher wie ein Alibi-Feigenblatt. Deutlich verg\u00fcnstigte Strompreise f\u00fcr die Bewohner der Windvorranggebiete w\u00fcrden die Akzeptanz vielleicht erh\u00f6hen, k\u00f6nnen aber die zerst\u00f6rte Landschaft nicht reparieren. Noch punktet unsere Region mit einigerma\u00dfen intakter Natur und Lebensqualit\u00e4t. Die wird massiv beeintr\u00e4chtigt, wenn st\u00e4hlerne Windr\u00e4der die H\u00f6henz\u00fcge zwischen Egge und Weserbergland \u201ezieren\u201c, der Blick auf den Desenberg, das Wahrzeichen der Warburger B\u00f6rde, durch Windr\u00e4der verschattet ist und wertvolles Ackerland f\u00fcr die gewaltigen Fundamente der Windr\u00e4der geopfert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise konterkariert der Windkraftausbau sogar das R\u00fcckkehr-Aktionsprogramm des Kreises H\u00f6xter f\u00fcr Weggezogene. Welche junge Familie findet die Erf\u00fcllung ihres Lebenstraums schon in einer windm\u00fchlenverspargelten Region mit ohnehin bescheidener Infrastruktur? Von wahrscheinlich sinkenden Immobilienwerten ganz zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohlgemerkt: Ich bin nicht gegen Windkraft! Ich m\u00f6chte Windkraftausbau mit Augenma\u00df und eine gerechtere Verteilung&nbsp; auf ganz Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hubertus Hartmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orgelstadt wird zur Windspargelstadt mit Tiefflug-Area Neue Anlagen sind mehr als sechsmal so hoch wie der Borgentreicher Kirchturm Von Hubertus Hartmann Borgentreich. Kaum ein Thema wird in Borgentreich derart kontrovers diskutiert wie der Windkraftausbau. Der freie Blick vom Galgenberg oder Hohen Berg zum Desenberg ist Geschichte. Nahezu im gesamten Stadtgebiet entstehen derzeit neue Anlagen. 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